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Normalität

Der normale Zustand vor dem Faschismus schloss die Geschichte und Heroik nicht aus. Die Romantik rebellierte gegen die Norm, war aber gleichzeitig in die Norm eingeschrieben. Die Faschisten ließen den Nietzsche, und später auch die Anderen, neben den kolossalen und abscheulichen Lügen, auch die große Wahrheit sagen. Sie sagten: „Mehr und mehr werdet Ihr die „Normalität“ aufstocken und sie explodiert im Wahnsinn. Wir explodieren sie. Wir.“
Diese auf der Rationalität begründete reglementierte Normalität ist so qualvoll, dass sie in dem Menschen eine explosive Energie des Protestes erzeugt. Der Mensch kann in dieser Normalität nicht leben. In seinem Gedicht „Quadraten“ hatte der Dichter im Sinne, das sowjetische System zu kritisieren. Ihm hat es aber gelungen, dem Gedicht einen viel tieferen Sinn zu verleihen:
Quadraten
„Diese Ordnung hat keinen Sinn.
Ihr schmelzt das Erz und schmiedet laut,
Menschen, die fähig zu backen und weben sind,
Ihr wurdet schamlos beklaut.

Nicht nur die Liebe, Ruhe und Werk,
Wißbegierde der Augen habt ihr nicht mehr.
Ihr freßt aus der Hand den Wahrheitensatz.
Denkenvermögen? Weg ist der Schatz!

Euch sind die Antworten überreicht.
Alles anschauend seht ihr nichts.
Die Zeitungsmatrize in eure Hirne streicht
Das eigener Realität Angesichts.

Es gibt keine Antwort aber auf
Die Hauptfrage der Angezogenen grau
Und bunt, zieht euch die U-Bahn wie Staubsauger
An Abendmorgengrauen Stunden.

Sämig wie Rogen kommt ihr durch Wind
Alle einstimmig, nach einem Schnitt.
Menschen, die fähig zu arbeiten sind,
Erwerbsfähige kommen mit.

Und hier kommen reihenweise,
Links, zwo, drei, vier… trägt der Wind.
Schritte sind immer noch leise…
Menschen, die fähig zu töten sind.

Nun Einestages zwischen den alltäglichen Normen,
Die Dir Grasfutter gegeben haben,
Willst Du durchbrechen, die Grenzen der
Zum Hals heraushängenden quadratischen Formen.

Du rebellierst und schreist: Beluchst!
Will nicht abgeben! Verschwind!
Jetzt kommen zu Dir zum Besuch
Menschen, die fähig zu reden sind.

Ihre Wörter sind adelig und vornehm,
Sätze einfach, wie Zwei mal Zwei.
Sie beweisen es Dir, fassbar und angenehm.
Das Spiel darf nicht verlassen werden.

Du wirst es bereuen, der Arme Sohn,
Du bist doch vergeben, Verlorener Sohn,
Mit lauten Hymnen in deinem Quadrat
Hast Du den neuen Anfang parat.

Wenn Du Hartnäckigkeit zeigst:
Es reicht mir! Das Alte verschwind!
Kommen aus der Dunkelheit leise
Die Menschen, die fähig zu töten sind.

Bittere Sehnsucht wirst Du schlucken.
Und die Quadraten auf dem blauen Fetzen
Werden durchs schwarze Gitter gucken.
Das schwarze Gitter in deinem Fenster.

Beachtet folgende Stelle:

„Nicht nur die Liebe, Ruhe und Werk,
Wißbegierde der Augen habt ihr nicht mehr.
Ihr freßt aus der Hand den Wahrheitensatz.
Denkenvermögen? Weg ist der Schatz!"

Du hast dich entschieden die Grenzen der bis zum Hals heraushängenden Formen zu brechen. Die ganze Welt der bürgerlichen Normalität hält sich an der quadratischen Form, am Reglement und der reinlichen Scheidung. Darin gibt es Philosophie, die nur wenige verstehen.
Die Essenz dieser Philosophie besteht darin, dass um von dem Tier zu flüchten, braucht der Mensch irgendwohin zu laufen. Der Rote Frühling des Kommunismus sagt, dass man beim Gott oder beim Höheren im Menschen die Zuflucht suchen soll. Denn die Moderne sagt, dass dahin man nicht flüchten darf, wohin soll man flüchten? Wenn das Tier ist das Abscheulichste, was ist denn „Nicht-Tier“? Eine Maschine?
Was ist denn eine menschenähnliche Maschine? Eine Puppe. Sie ist der tierischen Abscheulichkeiten entbehrt. Sie hat nichts, wovor der aus dem Tier irgendwohin flüchtender Mensch, der sich von der Natur trennt, Angst hat. Das heißt, je mehr flüchtet er in der Moderne vom Tier, desto mehr verwandelt er sich in die Maschine. Er kann sich aber nicht endgültig verwandeln. Das heißt, tief in seinem Inneren bleibt das Heulen und, wenn sie ihm zur Wahl entweder die Maschine oder das Tier vorschlagen, so wählt er das Tier. Das ist der Schwarze Frühling, the Black Spring. Und das ist Faschismus.
Da hatten sie’s im Jahre 1933. Sie sahen, wie die reglementierteste, am meisten rationalisierte, skrupulöse Gesellschaft, die mehr als die anderen in die Matrize dieser Quadrate disponiert war, wie sie explodiert hatte. Wie sie lief den Menschen zu hören, der schrie: “Was wir brauchen, ist Instinkt und Wille.“ Und nun? Weiter war diese Gesellschaft durch diese Maschine, die das Tier und die Technik in sich vereinigt hat, zertrümmert. Das war „the Black Spring“.
Als der Rote Frühling den Schwarzen Frühling tötete, oder genauer zu sagen, in die Höhle tothetzte, erwachte die Normalität und fing an zu suchen, was war zu tun. Sie legte dem Roten Frühling keinen Schwur ab, teilte nicht den Weg, sondern verriet seinen Verbündeten. Und sie sagte, dass sie nie wieder zulassen wird, dass das Tier sich so weit aus dem Käfig entspringt, deshalb wird sie den Menschen noch intensiver töten. Sie fand die tiefernste Mittel der Tötung des Menschenwesens, bitterernste Mittel der Entheroisierung, der Herabwürdigung von Allem zur solchen Normen, aus denen man sogar keine Lust hat, sich herauszuarbeiten. Danach hat es sich herausgestellt, dass es auch nicht resistiert. Und dann, um den Roten Frühling nicht zuzulassen, sie schalteten Post-Moderne ein…
Wir haben außer Kommunismus keine andere Wahl...

Übersetzt aus der Vorlesung "Schule der Essenz" von S. Kurginyan
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